Freuds 'erlösender Gedanke'. Allgemeinwirkung statt Individualtherapie.

Aus den letzten Lebensjahren gibt es von Freud eine große Anzahl skeptischer Bemerkungen bezüglich der Wirksamkeit psychoanalytischer Therapien. Diese Einstellung läßt sich zurückverfolgen bis zu der Krise, die kurz nach seinem 50. Geburtstag (1906) zwischen ihm und dem Wiener Kreis seiner Schüler ausbrach. Aus dieser Zeit stammt auch die von ihm selbst als "erlösender Gedanke" empfundene Idee einer Alternative zur Behandlung von Einzelpersonen: die kulturelle "Allgemeinwirkung" (1910) der psychoanalytischen Deutung von neurotischen Symptomen. Wenn die repräsentative Öffentlichkeit gelernt hat, diese als entstellte Ersatzbefriedigung von Trieben zu verstehen, wird deren Produktion für Einzelpersonen, die sich dadurch ja dekouvrieren würden, in hohem Maße erschwert. Aus diesem Ansatz hat Freud 1909 damit begonnen, das Modell eines säkularen Kulturprozesses zu entwickeln, das aus den Arbeiten der 30er Jahre bekannt ist. Es wird durch epidemiologische Veränderungen, wie das Zurückgehen der Übertragungsneurosen, bestätigt.

Eine der bisher zu wenig beachtete Eigenheit des Freudschen Denkens ist die lange, sich über mehrere Jahrzehnte  erstreckende Inkubationszeit seiner wichtigsten Themen. Vielleicht trug diese persönliche Erfahrung etwas zu seiner Lehre von der Zeitlosigkeit des Unbewußten bei. Des öfteren scheinen jedenfalls im Spätwerk zunächst verdrängte Vorstellungen wiederzukehren, die der selbstkritische Autor vorher noch nicht mit der erforderlichen Sicherheit zu fomulieren wagte. Das eindrucksvollste Beispiel dafür dürfte das "phylogenetische" Modell eines säkularen Entwicklungsprozesses sein, in dessen Rahmen dem Einzelindividuum die Aufgaben und Möglichkeiten seines Verhaltens zugewiesen werden. Die Idee tauchte scherzhaft in einem der Briefe des noch nicht 19jährigen auf, in konkreter Form präsentierte sie sich 1909 dem 50jährigen als ein "erlösender Gedanke", um schließlich 1932 in der auf die Menschheitsgeschichte bezogenen Formel zu kristallisieren, es solle "wo Es war . . . Ich werden" -- ein Ich allerdings, das sich in Akten der "Unterdrückung" durchaus als "Herr im eigenen Haus" zu erweisen vermag (1917, S. 295).

Das Weltende

Seinem Gymnasialkollegen Eduard Silberstein, der sich in Leipzig auf das Jurastudium verlegt hatte, berichtete Freud in zwei Briefen vom 11. und 28. April 1875 aus den Vorlesungen des von ihm damals sehr verehrten Philosophen Franz Brentano über neuere physikalische Theorien, wie "das Gesetz von der Erhaltung der Kraft" (Robert Meyer 1842) und "die Wechselwirkung der Naturkräfte" (H. v. Helmholtz 1854). Den Studiosus, der damals an der Schwelle zu seinem zweiten Semester stand, faszinierte vor allem der Gedanke, daß

"unser Weltall . . . bekanntlich dem beneidenswerten Zustand einer gleichmäßig verteilten, angenehmen Temperatur entgegen(geht), aus dem es keine Erlösung mehr gibt: keinen Winter mehr, aber leider kein Blühen und Grünen im Sommer" (Freud 1988, S. 129).

Das entsprach im Prinzip den Ausführungen von Helmholtz, der 1854 in Königsberg erklärt hatte:

"Wenn das Weltall ungestört dem Ablaufe jener physikalischen Prozesse überlassen wird, so muß endlich aller Kraftvorrat in Wärme übergehen und alle Wärme in das Gleichgewicht der Temperatur kommen. Dann ist jede Möglichkeit einer weiteren Veränderung erschöpft, dann muß vollständiger Stillstand aller Naturprozesse von jeder möglichen Art eintreten. Auch das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen kann nicht mehr weiter bestehen" (S. 51).

In der gebildeten Welt schloß man damals aus dem II. Hauptsatz der Thermodynamik, dem Entropieprinzip, auf eine unabwendbare Tendenz des Weltalls zum "Wärmetod" -- einem Nirwanazustand, auf den hin in Freuds später Theorie (1920) der Todestrieb gerichtet ist. Dem Germanisten Walter Böhlich, der die Herausgabe der Silberstein-Briefe übernommen hatte, blieb es allerdings vorbehalten, das Temperaturgleichgewicht im Endzustand in einer Fußnote "eine Erfindung von Freud" zu nennen (Freud 1988, S. 130). Natürlich wußte er auch die merkwürdige Lebensmaxime nicht zu deuten, die Freud aus dem physikalischen Theorem für seinen Freund ableitete:

"Arbeite, studiere Dich zum Deutschen Gelehrten, halte Reden, rege das Volk auf oder pflege Deinen Leib und vergnüge Dich in Saus und Braus -- Du bleibst ein Mörder Deiner selbst und des ganzen Weltalls: Du verwandelst Lebendige Kraft in Wärme und kannst sie nicht zurückverwandeln. Am gefährlichsten bist Du aber, wenn Du Dich freust, wenn Dir warm ums Herz ist, dann frißt Du die Welt mit Löffeln, schaffst Dir und den Deinigen einen frühen Tod" (S. 129 f.).

Eine Interpretation mit diesem Tenor hatte Eduard v. Hartmann in seiner Philosophie des Unbewußten (1869) formuliert, die im Jahr von Freuds Brief bereits in 7. Auflage vorlag. Dort wird

"die volle Hingabe der Persönlichkeit an den Weltprozeß um seines Zieles, der allgemeinen Welterlösung willen, (und) die Bejahung des Willens zum Leben als das vorläufig allein Richtige proklamiert, denn nicht in feiger, persönlicher Entsagung und Zurückziehung ist etwas für den Weltprozeß zu leisten" (1923, Bd. 2, S. 402 f.)

Ob Freud überhaupt, und ggf. wann und wie gründlich er das schließlich auf drei dicke Bände angewachsene Werk selbst gelesen hat, dürfte kaum mehr zu entscheiden sein; zitiert hat er es jedenfalls nur an zwei Stellen in der Traumdeutung, und da wohl aus zweiter Hand. Obgleich anzunehmen ist, daß sich Brentano -- wenn überhaupt -- nur sehr geringschätzig über von Hartmanns Lehre vom schöpferischen Unbewußten geäußert haben dürfte, gehörte diese doch damals -- etwa gleichrangig neben Wagners Musikdramen -- zu den beliebtesten Gesprächsthemen der Salons (Whyte 1962). Auch Nietzsche, der am 24. Mai 1875 in einem Brief an Richard Wagner ironisch "von der ganz allgemeinen Krankheit des Hartmannismus" sprach (S. 699), scheint noch 1874 in der "Unzeitgemäßen Betrachtung: Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben" von dem Gedanken fasziniert gewesen zu sein, daß

"nur in der vollen Hingabe an das Leben . . . etwas für den Weltprozeß zu leisten" sei (S. 269).

Es wäre daher sonderbar, wenn Freud nicht indirekt -- vielleicht aus dem "Leseverein der deutschen Studenten Wiens", dem er angehörte, -- einiges über Hartmanns Lehre erfahren hätte. Für eine solche Kenntnis spricht nicht nur die Aufforderung an Silberstein, das Weltende durch ein Leben in Saus und Braus zu beschleunigen, sondern auch das Wort vom "beneidenswerten Zustand, . . . aus dem es keine Erlösung mehr gibt". Freud stellte sich mit dem theologischen Terminus in eine Diskussion, die mindestens so alt ist wie die christliche Heilsbotschaft: Während Hartmann die allgemeine Welterlösung davon erwartete, daß durch gesteigerte Aktivität -- auch auf sexuellem Gebiet ! -- der Energievorrat des Kosmos möglichst schnell aufgebraucht sein werde, berief sich Schopenhauer im 2. Band der Welt als Wille und Vorstellung (1844) auf die beim Heiligen Augustinus mehrfach anzutreffende These, daß

"das Reich Gottes weit schneller sich erfüllen und das Ende der Welt beschleunigt würde, . . . wenn alle sich jeder Begattung enthalten würden" (de bono conjugali, Kap. 10)

Die Gegenthese, der anscheinend auch Clemens von Alexandria (150-215 n.Chr.) zuneigte, findet sich in manchen Schulen der Gnostiker, z.B. bei dem um 130 n. Chr. in Ägypten lehrenden Basilides:

"Dadurch, daß man gegen die Natur handelt, wird das Reich Gottes nicht gefördert, sondern in seinem Kommen gehemmt. Die Natur ist darauf aus, Samen zu erzeugen. Soll der sich mit Notwendigkeit vollziehende Ablauf des Weltgeschehens seinem Ende möglichst rasch entgegengeführt weren, so muß der Mensch in der Richtung des Naturstrebens handeln. Er muß soviel Samen als möglich hervorbringen" (Leisegang 1924, S. 211)

Freud und die Gnosis

Auch wenn Hartmann dies energisch zurückwies, stand er doch tatsächlich in der gnostischen Tradition Schellings (Koslowski 1988), die sich bei C. G. Jung voll entfaltete. Freud bekennt sich niemals zu dieser Herkunft seines Denkens, es sei denn, daß man die sieben mit einem Skarabäus geschmückten goldenen Ringe für die Mitglieder des engsten Kreises -- des 1912 gegründeten sog. "Komitees" -- und die 1920 formulierte Lehre vom "dämonischen Charakter" des Todestriebes (1920, S. 20) in dieser Weise verstehen wollte. Aufhorchen läßt vor diesem Hintergrund, wenn Freud in den Spätschriften die Trieblehre als "sozusagen unsere Mythologie" bezeichnet und hinzufügt:

"Die Triebe sind mythische Wesen, großartig in ihrer Unbestimmtheit, . . . etwas Ernsthaftes und Gewaltiges, dem wir uns vorsichtig annähern möchten" (1932, S. 101).

Auch manche Aussage über die drei Instanzen von Es, Ich und Über-Ich klingen wie Texte der Gnosis:

"Das Es hat kein Mittel dem Ich Liebe oder Haß zu bezeugen. es kann nicht sagen, was es will, es hat keinen einheitlichen Willen zustande gebracht, Eros und Tod kämpfen in ihm" (1923b, S. 289). das sei "die unklare innere Wahrnehmung des eigenen psychischen Apparates", sie rege "zu Denkillusionen an, die natürlich nach außen projiziert werden", heißt es am 12. Dezember 1897 in einem Brief an Wilhelm Fließ von den "endopsychischen Mythen" (1985, S. 311). [Im Nachlaß weist eine Londoner Notiz vom 22. August 1938 noch einmal in die gleiche Richtung: "Mystik, die dunkle Selbstwahrnehmung des Reiches außerhalb des Ich, des Es" (1938, S. 152)]

Im Kampf zwischen den "mythischen Wesen" charakterisiert sich die Psychoanalyse selbst als "ein Werkzeug, welches dem Ich die fortschreitende Eroberung des Es ermöglichen soll" (1923, S. 286), indem sie "den Neurotiker von den Fesseln der Sexualität befreit" (1923, S. 228). Dies geschieht generell duch eine "Erweiterung des Bewußtseins" -- durch "Gnosis" also -- ganz im Sinne des Grundschemas des vom gnostischen System entwickelten Mythos:

"Die geschaffene Welt und das Ich sind durch Schuld oder Unwissenheit in einen Zustand der Desintegration gefallen und können nur durch Erkenntnis (Welt- und Selbsterkenntnis) wieder reintegriert werden" (Koslowski 1988, S. 373).

Hartmann hat das in der Ausgabe von 1876 (Bd. 2, S. 358) in eine psychologische Terminologie übertragen:

"Überall, wo das Bewußtsein das Unbewußte zu ersetzen im Stande ist, soll es dasselbe ersetzen."

Freud denkt im gleichen Zusammenhang an eine faustische "Kulturarbeit, etwa wie die Trockenlegung der Zuydersee" -- des mythischen Urwassers --, denn "wo Es war, soll Ich werden" (1932, S. 86).

Die Übereinstimmung der Formulierungen muß nicht unbedingt als ein Hinweis auf eine von Freud verschwiegene Quelle verstanden werden. Auch Richard Wagner drückte sich in Oper und Drama (1852, S. 202) ganz ähnlich aus:

"Das Unbewußte der menschlichen Natur in der Gesellschaft zum Bewußtsein bringen, und in diesem Bewußtsein nichts anderes zu wissen als eben die allen Gliedern der Gesellschaft gemeinsame Notwendigkeit der freien Selbstbestimmung des Individuums, heißt aber soviel als -- den Staat vernichten . . . ."

Es trifft sich, daß um die gleiche Zeit (1851) der "hochkonservative" Preußische Politiker Ernst Ludwig von Gerlach eine recht ähnliche Überlegung -- allerdings in entgegengesetzter Tendenz -- anstellte:

"Die Masse als solche ist das Bewußtlose. Das Bewußtsein setzt Organisation voraus, und die Organisation tilgt das Massentum" (1851, S. 224).

Freud und seine Gesprächspartner -- ab 1902 vor allem die Mitglieder der im Entstehen begriffenen psychoanalytischen Vereinigung -- schöpften aus dem Fundus der "Allgemeinen Bildung", für den um die Jahrhundertwende im Zuge von Jugendbewegung, Lebensphilosophie und Sozialismus die Romantik (incl. Hellseherei) wiederentdeckt wurde. Hier paßt wahrscheinlich der von Thomas Mann (1929) für "die höchst merkwürdigen Beziehungen (Freuds) zur deutschen Romantik" gebrauchte Ausdruck einer "selbständigen Abhängigkeit" (S. 276). Interessante Einblicke in die Beziehung zwischen Freud und Schelling, bzw. zwischen Ästhetik und Therapeutik", bietet Marquard (1982, S. 87f.)

Fest steht jedenfalls, daß Freud sein ganzes Leben lang typisch gnostische Themen beschäftigt haben. "Kurz vor der Reifeprüfung" war es der Vortrag des Goethe zugeschriebenen Aufsatzes "Die Natur" von Christian Tobler (1783), der "die Entscheidung gab, daß ich Medizin inskribierte", heißt es in der Selbstdarstellung von 1925 (S. 34). In seiner großen, von tiefer Schwermut gekennzeichneten Arbeit über Die endliche und die unendliche Analyse von 1937 ist es die Maxime, "wenn einem Menschen Macht verliehen wird, fällt es ihm schwer, sie nicht zu mißbrauchen" (1937, S. 95), die er dem Roman "La révolte des anges" (1913) entnahm, in dem der von ihm hochgeschätzte Anatole France den Luzifermythos der Gnostiker in verblüffender Anlehnung an die alten Texte ausbreitete.

Zumindest unterschwellig gibt es bei Freud eine niemals abgeschlossene Auseinandersetzung mit der Gnosis und ihren modernen Vertretern wie Wilhelm Fließ, C. G. Jung, wohl auch Georg Groddeck, Sandor Ferenczi und Otto Rank, zu denen aus seiner Sicht -- dem "dämonischen Zug" der Todestriebe folgend -- "jede Freundschaft den Ausgang nimmt, daß der Freund sie verrät" (1923, S. 20).

Ein vielleicht gar nicht so peripherer Aspekt dieser "Gnosis" war Freuds "Bekenntnis zur Telepathie", das er Ernest Jones gegenüber am 7. März 1926 als seine "Privatsache -- wie mein Judentum . . ." deklarierte. Die Abwehr der damit unfreiwillig eingestandenen personalen Nähe schaltete sich sogleich mit dem Zusatz ein, "das Thema der Telepathie sei der Psychoanalyse wesensfremd" (Jones 1960-62, Bd. 3, S. 460). Freilich möchte man dann auch fragen, wie sich die in Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1904) gegebenen Deutungen für seine eigenen, scheinbar zufälligen Zerstörungen antiker Kunstwerke als "Opferhandlungen" mit der Psychoanalyse vertragen (1904, S. 187).

Die Menschheitsentwicklung

Eine Erkenntnis, die ans Licht führt, -- das Thema der Gnosis -- bot sich im Jahr 1909 an einer bisher kaum beachteten Stelle zur Charakterisierung einer Wirkungsmöglichkeit der Psychoanalyse an. In Freuds Augen sollte diese allmählich wichtiger werden als die Behandlung einzelner Patienten. Während Alfred Adler am 10. März 1909 in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung "Zur Psychologie des Marxismus" sprach (Protokolle Bd. 2, S. 155-160), scheint sich Freud eigenen Phantasien überlassen zu haben, die ihm "die ganze Menschheitsentwicklung" als das Ergebnis zweier Tendenzen darstellten:

"Einerseits handle es sich um eine Erweiterung des Bewußtseins der Menschheit (analog dem Bewußtwerden von bisher unbewußt wirkenden Trieben und Mächten) und auf der anderen Seite kann man den Fortschritt beschreiben als Verdrängung, wobei sich ein säkulares Fortschreiten der Verdrängung zeige" (1977, S. 157).

Es sieht allerdings so aus, als würden diese beiden Entwicklungslinien

"einander vollkommen widersprechen, denn mit der fortschreitenden Verdrängung sollte immer mehr unbewußt werden, nicht umgekehrt". Angesichts dieser Schwierigkeit "kommt einem aber der erlösende Gedanke, daß diese beiden Prozesse einander bedingen: die Erweiterung des Bewußtseins ist das, womit sich der Mensch existenzfähig erhält bei dem beständigen Fortschritt der Verdrängung" (1977, S.157).

Im Spätwerk ist seit dem Unbehagen in der Kultur (1930) der Einfall von 1909 zu der Theorie ausgereift, daß sich

"seit unvordenklichen Zeiten . . . über die Menschheit ein Prozeß der Kulturentwicklung" hinzieht (1930, S. 25).

In Warum Krieg ? hat Freud diese Vision von Albert Einstein ausgebreitet, nachdem er seine ursprüngliche Idee der Friedensgarantie durch

"eine Oberschicht selbständig denkender, der Einschüchterung unzugänglicher, nach Wahrheit ringender Menschen, die ihre Triebe der Diktatur der Vernunft unterworfen haben", als eine "höchst wahrscheinlich . . . utopische Hoffnung" durchschaut hatte (1932, S. 24).

Maßgebend war für ihn dabei vermutlich seine Enttäuschung mit dem sog. "Komitee", das 1912 gegründet worden war, um "für Freud eine (ideologische) Leibwache zu schaffen" (Jones 1960-62, Bd. 3, S. 221), von dem er aber bereits 1924 feststellen mußte, daß er es "überlebt . . . habe" (S. 85). Auf prominente Mitglieder dieses "elitären" Gremiums bezog sich wohl auch die 1937 von Anatole France übernommene Bemerkung über die Tendenz zum Mißbrauch von Macht, die sich darin äußere,

"daß zahlreiche Analytiker es erlernen, Abwehrmechanismen anzuwenden, die ihnen gestatten, Folgerungen und Forderungen der Analyse von der eigenen Person abzulenken" (1937, S. 95).

Wir verdanken -- so Freud 1932 -- dem Prozeß der Kulturentwicklung

"das Beste, was wir geworden sind, und ein gut Teil von dem, woran wir leiden", d.h. die Tatsache, "daß das Kind so viele der für später unbrauchbaren Triebansprüche nicht durch rationale Geistesarbeit unterdrücken kann, sondern durch Verdrängungsakte bändigen muß, hinter denen in der Regel ein Angstmotiv steht" (1927, S. 366).

Weil "bei steigender Kultur gerade das Sexualleben die Opfer der Verdrängung bringen muß" (1909, S. 462), könnte der Kulturprozeß allerdings "vielleicht zum Erlöschen der Menschenart" führen,

"denn er beeinträchtigt die Sexualfunktion in mehr als einer Weise, und schon heute vermehren sich unkultivierte Rassen und zurückgebliebene Schichten der Bevölkerung stärker als hochkultivierte" (1932, S. 26).

Daß der Autor die Eventualität des Aussterbens der Menschheit so nüchtern in Erwägung zieht, erinnert ein wenig an den Heiligen Augustinus, der die sexuelle Abstinenz möglichst vieler wegen der Beschleunigung des Weltendes für wünschenswert hielt. Ein Leben "in Saus und Braus", wie Freud es 1875 Silberstein angeraten hatte, würde jedenfalls -- sofern er sich seines Briefes aus der Studentenzeit noch erinnert haben sollte --, dem im Zuge des Kulturprozesses zu erreichenden Lebensstil keineswegs entsprechen. Es ging ja auch nicht mehr um den "Mörder . . . des ganzen Weltalls", sondern um einen Weg der Rettung, der -- so Freud -- vielleicht "mit der Domestikation gewisser Tierarten vergleichbar (sei)" und ohne Zweifel körperliche Veränderungen mit sich bringe.

"Von den psychologischen Charakteren der Kultur (aber) scheinen zwei die wichtigsten: die Erstarkung des Intellekts, der das Triebleben zu beherrschen beginnt, und die Verinnerlichung der Aggressionsneigung mit all` ihren vorteilhaften und gefährlichen Folgen" (1932, S. 26).

Nichts deutet darauf hin, daß sich der Briefschreiber von 1932 an dieser Stelle noch seiner Spekulation von 1875 oder auch nur des "erlösenden Gedankens" von 1909 erinnerte. Offenbar hatte dieser so eindrucksvolle Apell an die "Gnosis" für Freud nicht viel mehr bedeutet, als daß ihm ein Einfall als spannungslösendes Aha-Erlebnis erschien. So präsentierte er beispielsweise C. G. Jung vor der gemeinsamen Amerikareise, auf die er sich freute, am 18. Juni 1909 als "erlösende Idee" den eher trivialen Vorschlag, man könne auf der Überfahrt die Themen der Vorträge an der Clark-University besprechen (S. 258).

Eigenartigerweise hat Freud den Ansatz von 1909 erst 1932 dadurch erläutert, daß er nun statt von einem "Fortschreiten der Verdrängung" von einer "Erstarkung des Intellekts" (sprach), der das Triebleben zu beherrschen beginnt" und der es gegebenenfalls auch zu "unterdrücken" vermag. Das aber ist, da es sich um einen bewußten Mechanismus handelt, etwas wesentlich anderes als ein "Verdrängen", das leicht mißlingen kann und dann zur Neurose führt (1915, S. 290). In diesem Sinne präzisierte er in der Sitzung seiner Vereinigung am 16. Dezember 1908 das Ziel der Therapie:

"Durch die Kur befreien wir die Sexualität, aber nicht, damit sich nun der Mensch von ihr beherrschen lasse, sondern wir ermöglichen eine Unterdrückung, Verwerfung der Triebe von einer höheren Instanz aus" (Protokolle Bd. 2, S. 81).

Damit wird das Ziel, daß Ich werde, wo Es war, dessen Erreichbarkeit im Verlauf einer "endlichen Analyse" 1937 zweifelhaft wurde, zum Konvergenzpunkt der im Kulturprozeß einander gegenseitig bedingenden Tendenzen.

Entscheidend für diese Denkmöglichkeit ist die Annahme einer "Beziehung zwischen dem Kulturprozeß der Menschheit und dem Entwicklungs- oder Erziehungsprozeß des einzelnen Menschen", aus der zu ersehen sei, "daß die beiden sehr ähnlicher Natur sind, wenn nicht überhaupt derselbe Vorgang an andersartigen Objekten" (1930, S.499f.). Bereits 1917 hieß es in den Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse von den Entwicklungen des Ichs und der Libido in Analogie zur Ernst Haeckels "phylogenetischem Grundprinzip" (1868), daß

"beide . . . ja im Grunde Erbschaften, abgekürzte Wiederholungen der Entwicklung (sind), welche die ganze Menschheit von ihren Urzeiten an durch sehr lange Zeiträume zurückgelegt hat" (1917, S. 367).

Lessings Modell

Von einer ähnlichen Vorstellung ging auch Lessings Erziehung des Menschengeschlechts (1780) aus, die Freud sicher kannte:

"Was die Erziehung bei dem einzelnen Menschen ist, ist die (religiöse) Offenbarung bei dem ganzen Menschengeschlecht" (§ 1).

Der Aufklärer legte den Begriff der Offenbarung im Sinne von "Natur" dahin aus, daß diese "dem Menschengeschlecht nichts (gibt), worauf die menschliche Vernunft, sich selbst überlassen, nicht auch kommen würde" (§ 4). Es geht somit -- modern ausgedrückt -- um die Entdeckung von Ordnung im Zuge von instrumentalen Konditionierungen. Wenn es der so verstandenen Erziehung gelingt, daß der Einzelne "das Gute tun wird, weil es das Gute ist, nicht weil willkürliche Belohnungen darauf gesetzt sind" (§ 85), muß dies doch auch "der Natur . . . mit dem Ganzen gelingen" (§ 84): "Die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muß jeder einzelne Mensch -- der früher, der später -- erst durchlaufen haben" (§ 93). Lessing versucht dabei die Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Zeitmaßstäben der beiden Prozesse dadurch zu entschärfen, daß "jeder einzelne Mensch . . . mehr als einmal auf dieser Welt vorhanden gewesen sein" könnte (§ 94).

Solange einzelne noch nicht soweit gelangt sind, ist im ganzen das Ziel noch nicht erreicht, "wozu sich die Natur Jahrtausende Zeit nimmt" (§ 90), denn die ewige Vorsehung geht einen "unmerklichen Schritt". Lessings Bitte an die Vorsehung, ihn "dieser Unmerklichkeit wegen . . . nicht verzweifeln" zu lassen (§ 91), hätte eigentlich auch Freud in seinem Schreiben vom September 1932 wiederholen müssen, denn Einstein, der als "militanter Pazifist" an eine international organisierte Kriegsdienstverweigerung dachte, ging es am Vorabend des 3. Reiches um die Meisterung einer aktuellen Gefahrensituation, für die nach seiner Meinung bloß einige Jahre, im Höchstfall Jahrzehnte zur Verfügung standen. Freuds Hinweis auf den Maßstab der Phylogenese dürfte ihn daher eher enttäuscht haben.

Dies um so mehr, als ihn die vage Hoffnung auf eine unbestimmte Zukunft wahrscheinlich an die berühmte Einleitung erinnerte, die H. v. Helmholtz 1894 den "Prinzipien der Mechanik" des frühverstorbenen Physikers Heinrich Hertz (1857-1894) vorangestellt hatte. Die Rede war dort von all` jenen, "die den Fortschritt der Menschheit in der möglichst breiten Entwicklung ihrer geistigen Fähigkeiten und in der Herrschaft des Geistes über die natürlichen Leidenschaften wie über die widerstrebenden Naturkräfte zu sehen gewohnt sind" (S. 48).

Allgemeinwirkungen

Den Kulturprozeß als der menschlichen Einwirkung völlig unzugänglich zu verstehen, lag Freud keineswegs, da er ja sogar zur Beschleunigung des kosmischen Wärmetodes 1875 in dem Brief an Silberstein dem Empfänger Maximen des Verhaltens, wie z. B. sich "in Saus und Braus" zu vergnügen, empfohlen hatte. Das Mosaiksteinchen, das an dieser Stelle in der Theorie des kulturellen Fortschritts fehlen würde, läßt sich in unmittelbar zeitlicher Nähe zum "erlösenden Gedanken" von 1909 auffinden. In seiner Rede über "die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie" hat Freud im März 1910 auf dem Nürnberger Kongreß der Vereinigung den Begriff der "Allgemeinwirkung" vorgestellt:

Da die Neurosen "entstellte Ersatzbefriedigung von Trieben (sind, ruht) ihre Existenzfähigkeit . . . auf dieser Entstellung und Verkennung. Mit der Lösung des Rätsels, das sie bieten, und der Annahme dieser Lösung durch die Kranken, werden diese Krankheitszustände existenzunfähig".

Nach dieser Feststellung forderte er die Zuhörer auf: "Nun setzen Sie . . . an die Stelle des einzelnen Kranken die ganze an den Neurosen krankende, aus kranken und gesunden Personen bestehende Gesellschaft, an die Stelle der Annahme der Lösung dort die allgemeine Anerkennung hier, so wird Ihnen eine kurze Überlegung zeigen, daß diese Ersetzung am Ergebnis nichts zu ändern vermag. Der Erfolg, den die Therapie beim einzelnen haben kann, muß auch bei der Masse eintreten" (1910, S. 112).

Die Steigerung von "kann" im Einzelfall zu "muß" im Ganzen ist logisch nur zu akzeptieren, wenn man -- um mit Lessing zu sprechen -- annimmt,

"daß das große langsame Rad, welches das Geschlecht seiner Vollkommenheit näher bringt, nur durch kleinere schnellere Räder in Bewegung gesetzt würde, deren jedes sein einzelnes ebendahin liefert" (§ 92).

Dabei ist von Freud her gesehen zu erwarten, daß der einzelne seine Symptome kaum wird beibehalten können,

"wenn allen Angehörigen und Fremden, vor denen sie ihre Seelenvorgänge verbergen wollen, der Sinn der Symptome bekannt ist, und wenn sie selbst wissen, daß sie in den Krankheitserscheinungen nichts produzieren, was die anderen nicht sofort zu deuten verstehen" (S. 112).

Es fällt auf, daß Freud damit hinsichtlich der Nichtbeibehaltung von Symptomen Adlers Auffassung ziemlich nahe kam, der Symptome als "Arrangements" des sozialen Geltungsstrebens interpretierte.

Für den großen hysterischen Anfall, der noch zu Charcots Zeiten sehr häufig zu beobachten war, hat sich Freuds Vermutung in der Tat bewährt: er ist als Ersatzbefriedigung für unerfüllte Sexualwünsche durchschaut. Das gilt inzwischen auch weitgehend für

"die Übertragungsneurosen, Phobien, Hysterien, Zwangsneurosen, außerdem noch (für) Abnormitäten des Charakters, die an Stelle solcher Erkrankungen entwickelt worden sind, die das Anwendungsgebiet der analytischen Therapie darstellen" (1932, S. 167).

Sie gehen zurück, weil diejenigen Patienten, die noch nicht so weit sind, die Lösung des Rätsels, das sie bieten, anzunehmen, zu der für ihre Haltung erforderlichen Gnosis sozusagen qua "Allgemeinwirkung", d.h. durch die Sichtweisen ihrer "aufgeklärten" Umgebung gezwungen werden. Nach diesem Modell erspart die popularisierte und damit zu einem normativen Bestandteil der allgemeinen Bildung gewordene Theorie der Psychoanalyse wenigstens zum Teil deren aktuelle Praxis.

Es war völlig konsequent, wenn Freud -- wie C. G. Jung 1939 in seinem Nachruf berichtete -- einmal meinte:

"Mich wundert nur, was in der Zukunft die Neurotiker machen werden, wenn all` ihre Symbole entlarvt sind. Dann wird ja die Neurose gänzlich unmöglich."

Daß dies nicht so gekommen ist, liegt wohl hauptsächlich daran, daß sich die Symptomatik in den sozial weniger stark tabuisierten Bereich der präödipalen und narzißtischen Neurosen verlagern und damit dem Druck der "Allgemeinwirkung" ausweichen konnte. Indirekt wird der Ansatz gerade durch diese Entwicklung bestätigt: der Depressive steht zwar zur Zeit nicht am Pranger, jedoch könnte es ihm im Zuge der modernen Melancholieforschung (Lepenies 1969; Schings 1977) passieren, daß man seinen Zustand als den einer bedrohlichen Auflehnung gegen die soziale Ordnung "enträtselt".

Da das Modell Sichtweisen enthält, die in das Weltbild der Öffentlichkeit aufgenommen wurden und somit zu sozialen Selbstverständlichkeiten geworden sind, muß wohl mit einigem Nachdruck daran erinnert werden, daß Freud damit bestimmt nicht politische Parteiformeln gemeint hat. Ganz deutlich geht das aus einem Brief von Anna Freud vom 27. April 1933 hervor, in dem sie Ernest Jones bezüglich der Stellungnahme der psychoanalytischen Vereinigung zu dem kommunistischen Sexpolagitator Wilhelm Reich mitteilte:

"Mein Vater . . . kann nicht erwarten, Reich als Mitglied loszuwerden, ihn beleidigt die Vergewaltigung der Analyse ins Politische, wo sie nicht hingehört" (zit. n. Gidal 1990, S. 164).

Der Hinweis auf die therapeutische Funktion der Allgemeinwirkung war für Freud zweifellos in dem Moment so etwas wie ein "erlösender Gedanke", wo er in Nürnberg 1910 seinen Zuhörern die peinliche Mitteilung machen mußte,

"daß in der heutigen Praxis der Kur die Beweiskraft für die Richtigkeit unserer Voraussetzungen verdunkelt wird . . . , (da) ein therapeutischer Eingriff nicht so geführt werden kann wie eine theoretische Untersuchung" (1910, S. 105).

Vielleicht auch deshalb meinte er wenige Tage nach dem Kongreß in einem Brief an Ferenczi vom 3. April 1910, daß sein Vortrag möglicherweise zu sehr seine "innere Müdigkeit" und wohl auch seine "lang aufgespeicherte Abneigung gegen den Wiener Kreis" seiner Schüler verraten habe (Jones 1960-62, Bd2, S. 92).

Man weiß, daß in der darauffolgenden Vereinssitzung am 6. April Freuds Plan, das Zentrum der Bewegung von Wien nach Zürich zu verlegen und damit der Obhut C. G. Jungs anzuvertrauen, einen "Aufstand der Söhne" gegen den in seinem Herrschaftsanspruch nachlassenden Vater auslöste (Protokolle Bd 2, S. 422-430). Den Prozeß, der damals ans Licht gekommen war, gestaltete Freud in der großartigen Sublimation seiner Deutung des Moses des Michelangelo (1914), die bezeichnenderweise zunächst anonym in der Zeitschrift "Imago" erschien. Der Heros, mit dem er sich den Abtrünnigen gegenüber identifizierte.

"wollte in einem Anfall von Zorn aufspringen, Rache nehmen, an die Tafeln vergessen, aber er hat die Versuchung überwunden, er wird jetzt so sitzen bleiben in gebändigter Wut, in mit Verachtung gemischtem Schmerz . . . Er gedachte seiner Mission und verzichtete für sie auf die Befriedigung seines Affekts" (1914, S. 194).

Die gebändigte Wut und der mit Verachtung gemischte Schmerz charakterisieren den Mann, dem das menschliche Niveau seiner Jünger nicht auszureichen schien, um einem von ihnen seine Nachfolge anzuvertrauen. Ende März 1909 traf er daher eine kühne Entscheidung, indem er -- wie er selbst es in einem Brief vom 16. April 1909 ausdrückte --, C. G. Jung gelegentlich von dessen Besuch in Wien "förmlich als ältesten Sohn adoptierte (und) zum Nachfolger und Kronprinzen . . . salbte" (S. 241). Daß ihn der bloß um 19 Jahre Jüngere sogleich -- wohl etwas scherzhaft -- seiner "Vaterwürde" wieder zu entkleiden versuchte, deutet dieser selbst in seinem Bericht über die Wiener Begegnung am 12. April 1909 als eine Befreiung "vom drückenden Gefühl ihrer Vaterautorität" (S. 240). Er hätte sich lieber als gleichrangiger "Bruder" gefühlt.

Was er so wenig wie andere Analytiker verstand, war, daß Freud seit seinem Erschrecken über die ihm 1906 anläßlich seines 50. Geburtstags überreichte Medaille mit Ödipus und der Sphinx (Jones 1960-62, Bd2, S. 27) allmählich und in aller Stille die Rolle des Ödipus als Sohn mit der des Ödipus als Vater vertauschte (Alexander 1982), der "auf Kolonos" als ein unter Mitwirkung seiner eigenen Söhne aus der Heimat (Theben) Verstoßener bei Theseus in Attika für sich und seine beiden ihm treu ergebenen Töchter um Asyl bat und der seine Söhne verfluchte:

"Da stieß man mich gewaltsam aus der Stadt hinaus, . . . aber jene, die die Kraft besaßen, ihrem Vater beizustehen, die eigenen Söhne, taten nichts und sagten nichts und ließen mich als Bettler in die Fremde ziehn. . . . Aus meinem Vaterherz stoß ich sie hinaus ! Nie sollen sie froh werden ihrer stolzen Macht." [Sophokles: Ödipus auf Kolonos. Übersetzung von C. Bruch, Vs. 436-447]

Die Situation erinnert an die Palastrevolution, die ausbrach, als Freud in Jung den "ältesten Sohn" gefunden zu haben glaubte. Ganz Ödipus soll er damals -- "dramatisch seinen Rock zurückwerfend" -- in einem Hotelzimmer den Dissidenten erklärt haben:

"Meine Feinde wären froh, mich verhungern zu sehen; sie würden mir am liebsten den Rock vom Leibe reißen" (Jones 1960-62, Bd2, S. 91).

Auf den inneren Zwiespalt, in den "der Mann von fünfzig Jahren" hineingewachsen war, läßt schließen, daß Freud einerseits den Ödipus auf Kolonos "an keiner Stelle seines wissenschaftlichen Werks erwähnt" (Politzer 1974, S. 203), während er sich andererseits sehr deutlich mit ihm dadurch identifizierte, daß er gegenüber S. Ferenczi 1928 und Arnold Zweig 1935 seine jüngste Tochter Anna als seine "Antigone" bezeichnete (Briefe 1873-1939, S. 379 und 417). Sie ist es denn auch, die Freud schließlich als seine Nachfolgerin etablierte. [Sophokles Antigone führt ihren Vater Ödipus, der sich selbst geblendet hat, auf Kolonos an der Hand und versorgt ihn.] Anläßlich der Frage nach der Wunscherfüllung seines eigenen Traums vom "Heldentod des Sohnes" ist der 60jährige Freud auf ein Motiv für dieses Verhalten in einem Zusatz zur Traumdeutung von 1919 gestoßen:

"Es ist der Neid gegen die Jugend, den der Gealterte im Leben gründlich erstickt zu haben glaubt" (1900, S. 566).

Ein unmöglicher Beruf

Als ein "Ödipus auf Kolonos" vollzog Freud mit den Jahren eine immer deutlichere Distanzierung von seinen Schülern, den Fachkollegen und der Öffentlichkeit. Seine Überzeugung, daß meine lieben Mitmenschen -- mit einzelnen Ausnahmen -- Gesindel sind", verriet er 1929 der von ihm hochgeschätzten Lou Andreas-Salomé (1960, S. 387). Als 27jähriger hatte er 1883 in einem seiner Brautbriefe noch im Anschluß an eine Carmen-Vorstellung nach sozialen Schichten unterschieden:

"Das Gesindel lebt sich aus und wir entbehren, . . . um unsere Integrität zu erhalten" (1960, S. 48).

Er fühlte sich von den Menschen enttäuscht. Arnold Zweig gegenüber wehrte er etwaige Feiern zu seinem 80. Geburtstag in einem Brief vom 21. Februar 1936 mit der Begründung ab, es sei ein "Unsinn, die Mißhandlungen eines langen Lebens durch Feiern zu einem bedenklichen Termin gutmachen zu wollen !" Seine Konsequenz: "Nein, wir bleiben lieber Feinde" (S. 133). Im Anschluß an die beiden festlichen Abende, an denen er nicht teilgenommen hatte, meinte er am 31.5.1936:

"die Wiener Kollegen", die ihn ehrten, hätten "dabei durch allerlei Anzeichen verraten, wie schwer es ihnen ankommt" (S. 137).

Schließlich scheint Freud sogar der eigenen Arbeit mit seinen Patienten seine emotionale Identifikation entzogen zu haben, als er 1937 allen Ernstes -- nicht mehr als bloßes "Scherzwort" wie noch 1925 (1925, S. 565) -- "das Analysieren" als den dritten

"jener unmöglichen Berufe (bezeichnete), in denen man des ungenügenden Erfolges von vornherein sicher sein kann. Die beiden anderen . . . sind das Erziehen und das Regieren" (1937, S. 94).

Ein erster Hinweis in diese Richtung ist seinem Schreiben an C. G. Jung vom 6. Dezember 1906 zu entnehmen:

"Ich will nicht einmal behaupten, daß jede Hysterie so heilbar ist" -- d.h. durch Psychoanalyse --; "somit habe ich manches, was über Grenzen der Therapie und Mechanismus derselben zu sagen wäre, für mich behalten oder so dargestellt, daß nur der Kundige es erkennt" (S. 13).

Von da führte ein zweifellos schwerer Weg bis zu dem Eingeständnis von 1932, er "glaube nicht, daß unsere Heilerfolge es mit denen von Lourdes aufnehmen können" (1932, S. 164), womit er nicht einmal -- wie noch 1921 in Massenpsychologie und Ich-Analyse (S. 159) -- die Einschränkung machte, es handle sich bei den mystischen Sekten und Gemeinschaften bloß um "Schiefheilungen". Zur Begründung berief er sich im Sinne der "Allgemeinwirkung" darauf, daß "es . . . soviel mehr Menschen (gibt), die an die Wunder der heiligen Jungfrau, als die an die Existenz des Unbewußten glauben". Nimmt man diese Behauptung wörtlich, so fragt es sich allerdings, wieso der nach eigener Aussage jeder Religion "völlig entfremdete" Autor (1934, S. 569), der den Glauben an die Wunder der heiligen Jungfrau daher bestimmt für einen Aberglauben hielt, ihn in psychotherapeutischer Hinsicht auf eine Stufe mit dem Glauben an die Existenz des Unbewußten setzen konnte. Sollte er inzwischen dazu gelangt sein, auch diesen für nicht mehr als einen Aberglauben, oder vielleicht für Mythengläubigkeit zu halten ?

Am krassesten ist wohl ein Bericht Ferenczis in seinem Klinischen Tagebuch vom 4. August 1932 über die von Freud

"einzelnen Vertrauten mitgeteilte pessimistische Ansicht: die Neurotiker sind ein Gesindel, nur gut, uns finanziell zu erhalten und aus ihren Fällen zu lernen, die Psychoanalyse als Therapie sei wertlos" (S. 249).

Ferenczi, der ausdrücklich betont, daß er diese Idee nicht teilte, mag nach dem unheilbaren Konflikt, in den er zu Freud nach dem Briefwechsel über die "Technik des Küssens" im Dezember 1931 geraten war (Jones 1960-62, Bd.3, S. 179f.), übertrieben haben, jedoch besaß er vom 20. Oktober 1909 einen Brief Freuds mit der lapidaren Feststellung, "die Patienten sind ekelhaft" (Gay 1989, S. 595).

Nach Ferenczis Meinung war diesbezüglich für Freud "die Entdeckung der Lügenhaftigkeit der Hysteriker" ausschlaggebend (1989, S. 142), seit der er "die Kranken nicht . . . liebt". Vielleicht lag für Freud das "Erlösende" des Gedankens von 1909 auch darin, daß der Kulturprozeß ihn vom Umgang mit den Patienten erlösen würde. Tiefere Einblicke würde der Briefwechsel zwischen Freud und Ferenczi gestatten, dessen Veröffentlichung bisher aus mehr oder minder delikaten Gründen immer wieder hinausgeschoben wurde. Vorderhand ist man daher auf die in ihrer Skepsis kaum zu überbietende Abhandlung über Die endliche und die unendliche Analyse (1937) angewiesen, die in Systematischer Weise sehr zahlreiche Gründe dafür erörtert, daß man beim Anaöysieren, als dem dritten der unmöglichen Berfufe, des ungenügenden Erfolgs von vornherein sicher sein kann -- oder muß. Es sei ja auch

"unbestreitbar, daß die Analytiker in ihrer eigenen Persönlichkeit nicht durchwegs das Maß an psychischer Normalität erreicht haben, zu dem sie iher Patienten erziehen wollen" (1937, S. 93).

Der "Nürnberger Reichstag", wie er Ferenczi gegenüber den Kongreß am 3. April 1910 nannte (Jones 1960-62, Bd. 2, S. 92), und die Wiener Vereinsssitzung am 6. April stellen einen Wendepunkt in Freuds Engagement für die Psychoanalyse dar. Daß er selbst dies deutlch empfunden hat, läßt ein Brief an Silberstein vom 28. April 1910 ahnen: "Wir sind jetzt alt geworden . . . Das Leben ist jetzt bald um" (1988, S. 116). Im November 1911 folgte diesem Seufzer C. G. Jungs Frau gegenüber der sie erschütternde Satz: "Jetzt gibt es nichts mehr als -- Sterben" (S. 504). Von seinem "matten Zustand" berichtete er auch Jung, dem er kurz vor dem Ferienbegin am 5. Juli 1910 seinen "Eindruck" schilderte, "als ob wir gegenwärtig in einer Sperrung hielten und einen neuen Schub erwarteten" (1974, S. 375).

Woher er diesen Impuls erhoffte, deutete die Bemerkung an: "Immer mehr und mehr durchdringt mich die Überzeugung von dem kulturellen Wert der Psychoanalyse". Freud, der sich 1932 dazu bekannte, "nie ein therapeutischer Enthusiast" gewesen zu sein (1932, S. 163), begann nun ernsthaft, den therapeutischen gegen den kulturellen Wert seines Lebenswerkes abzuwägen. Ein Anzeichen für die sich anbahnende Verlagerung des Schwerpunkts seiner Interessen war 1912 die Gründung der Zeitschrift "Imago", die ausschließlich (!) für die Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften bestimmt war. In der Selbstdarstellung von 1925 konnte er bereits mit Befriedigung feststellen, die Psychoanalyse sei

"nicht mehr eine Hilfswissenschaft der Psychopathologie, (sondern) der Ansatz zu einer neuen und gründlicheren Seelenkunde", denn man darf ihre Vorausetzungen und Ergebnisse auf andere Gebiete des seelischen und geistigen Geschehens übertragen; der Weg ins Weite, zum Weltinteresse ist ihr eröffnet" (1925, S. 73).

Ein Jahr später findet sich in der Frage der Laienanalyse der Ansatz zu einer Bilanz:

"Der Gebrauch der Analyse zur Therapie der Neurosen ist nur eine ihrer Anwendungen; vielleicht wird die Zukunft zeigen, daß sie nicht die wichtigste ist" (1926, S. 283).

Wohin der Gedankengang führte, der beim 53jährigen 1909 begonnen hatte, zeigte nach fast 30 Jahren ein Gespäch mit dem amerikanischen Psychiater Smiley Blanton, das am 7. September 1938 in London statfand:

Zwar sollte das therapeutische Ziel "nicht herabgesetzt werden, aber dies ist nicht das höchste oder gar essentielle Ziel der Psychoanalyse. Das Ziel der Psychoanalyse ist in der Hauptsache, beizutragenn zu der psychologischen Wissenschaft und der Welt der Literatur und des Lebens im allgemeinen".

Thomas Mann hatte daher sicher recht, als er 1936 in seiner Festrede zum 80. Geburtstag Freuds dessen Meinung, daß die Psychoanalyse als Wissenschaft des Unbewußten ihre Bedeutung als Heilmethode weit übertreffe, dahingehend erläuterte:

"Aber auch als Wissenschaft des Unbewußten ist sie Heilmethode, überindividuelle Heilmethode, Heilmethode großen Stils" (Mann 1936, S. 500).

Mit dem Sieg der Allgemeinwirkung im Wettkampf mit der Individualbehandlung scheint sich auch eine andere Spannung gelöst zu haben: Im Abriß der Psychoanalyse, der im Juli 1938 in London begonnen wurde und der ein Fragment geblieben ist, wird auf eine schon 1932 in der Neuen Folge der Vorlesungen (1932, S. 166) angedeuteten Alternative zur analytischen Therapie hingewiesen:

"Die Zukunft mag uns lehren, mit besonderen chemischen Stoffen die Energiemengen und deren Verteilung im seelischen Apparat direkt zu beeinflussen" (1938, S. 108).

Dabei handelt es sich vielleicht -- gewiß nicht nur ! -- um die Wiederkehr der verdrängten Kokainerinnerungen von 1884/85.

Ein Anzeichen für diese Verdrängung ist der erste Traum, den Freud einer eingehenden Deutung unterzog, und von dem Fließ gegenüber später halb scherzhaft behauptete, in diesem habe sich ihm im Juli 1895 "das Geheimnis des Traumes" enthüllt (1985, Brief vom 12. Juni 1900, S. 458): der Traum von "Irmas Injektion" (1900, S. 111f.). Er bezieht seine Dramatik aus einer die Patientin Irma gefährdenden Injektion mit "Trimethylamin", das Fließ für "eines der Produkte des Sexualstoffwechsels" hielt. Wenige Wochen vor diesem Traum hatte er Fließ am 12. Juni 1895 berichtet:

"Ich brauche viel Kokain. Auch das Rauchen habe ich seit 2 - 3 Wochen . . . wieder in bescheidenem Maße aufgenommen. Ich habe keinen Nachteil davon gesehen" (S. 134).

Vergleichsweise konfliktfrei kann dagegen der 75jährige in einem Brief an Stefan Zweig vom 7. Februar 1931 resümieren, daß er "leidenschaftlicher Raucher war (ich wollt, ich wär` es noch), der der Zigarre den größten Anteil an seiner Selbstbeherrschung und Ausdauer in der Arbeit" zugestehe (1960, S. 398).

Da die Ärzte im Irmatraum samt und sonders nicht sonderlich gut wegkommen, ist zu vermuten, daß die Widerstände gegen die Vorstellungen des Endzwanzigers in dem Maße nachließen, in dem er sein Selbstbild von der Rolle des behandelnden Arztes zurückzog und seine Hoffnungen auf die Instrumente der Allgemeinwirkung -- die psychologische Wissenschaft, die Welt der Literatur und des Lebens im allgemeinen -- setzte. Durch sie wird im Sinne des erlösenden Gedankens von 1909 jene "Erweiterung des Bewußtseins" erreicht, "womit sich die Menschheit existenzfähig erhält bei dem beständigen Fortschritt der Verdrängung", die auf diese Weise als bewußte "Unterdrückung" zu einer Lesitung des Ich wird und damit zur endzeitlichen Trockenlegung des den chaotischen Schlamm des Unbewußten symbolisierenden Zuydersees führt.

 

Freud`s redeeming thought: General effect instead of individual therapy.

Summary. In his last decade Freud used to make some rather sceptical remarks about the success of psychoanalytic therapies. It seems that his doubts had resulted from the tensions which developped over the years between the master and his early followers after his fiftieth birthday (1906). In this period originated also the idea of an alternative to the individual therapies brought about by the "general effect", which psychoanalytic interpretations of neurotic symptoms could or -- in Freuds view -- even "must" have in a community where the solution of the riddles which the symptoms present is widely accepted. Since their capacity to exist depend on the distortion and the lack of recognition of their meaning, these diseases are forced to disappear gradually. With this effect in sight Freud begun by 1909 to develop the model and the dynamics of a cultural process of humanity. This idea he himself considered as an "redeeming thought". In its later elaboration we know the model of his process from his publications of the thirties. A confirmation of this theory may be deduced from epidemiological changes, such as the relative decrease of tranference-neuroses.

 

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Peter Robert Hofstätter (geb. 21.10.1913 in Wien, gest. 13. Juni 1994 in Buxtehude). Er war Professor der Psychologie in Hamburg und Autor vieler Bücher, darunter "Fischer-Lexikon der Psychologie" und "Differentielle Psychologie" Stuttgart (Kröner) 1971.

"Freuds 'erlösender Gedanke'. Allgemeinwirkung statt Individualtherapie". Forum der Psychoanalyse (1992) 8: 327-341.

Camillo Schrimpf - Homepage - Das letzte Update 2006, May 9